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Der Pranger bleibt Fremden erspartEin Blick zurück ins MittelalterVON HEIDELORE KRUSE Die Sonne knallt auf das Pflaster der Klostergasse, Met fließt trotz der Hitze reichlich, und das "Dreckbier" auch. Humpen aus gebranntem Ton halten aber nur die mittelalterlichen Gebräue frisch. In den Köpfen steigt der Hitzepegel. Ein falsches Wort gegen den König, der in Lautern das sagen hat, und schon klirren die Schwerter. Dumpfer Trommelwirbel kündigt das Ereignis an. Es könnte blutig enden.
Aber es ist nur Schaukampf, angezettelt zum Plaisier der Zuschauer, die mit dem Verein "Legende" beim Altstadtfest ins Mittelalter eintauchen wollen. Der fremde Kämpe, der es gewagt hat, den König auf heimischer Erde zu beleidigen, hat noch einmal Glück. Der Pranger, der am Samstagnachmittag eine "Hexe" fast bis zum Scheiterhaufen geführt hätte, bleibt ihm erspart. Der grimmige Dominikanermönch "Bruder Chrystomus", dargestellt vom Legende-Mitglied Oliver Junker, lässt - weil Sonntag ist - Gnade vor Recht ergehen. Das Volk ist´s zufrieden und schnell von einem Tänzchen hübscher Maiden abgelenkt. Mitmachen beim Reigen ist aber nicht drin. "Was sind die Männer für Waschlappen geworden in den letzten 500 Jahren", seufzt der Barde "Stephan von der Frühlingsaue" (Stephan Lentz) verzweifelt. Nicht einen einzigen Mann kann er zum mitmachen animieren. Strohballen, in den Mauernischen der Martinskirche geschichtet, Männer in Rüstung und Frauen in wallenden Gewändern mit dünnen Lederschlappen an den Füßen vermitteln ein bisschen etwas von der Zeit, in der zur Organisation eines Spektakels noch kein Handy nützlich war. Und auch die Spielleute von "Saltatio mortis" bestimmt nicht im Stau auf der Autobahn stecken geblieben wären. "Die kommen mit Sicherheit", versichert Jörg Roth - Spielname "Veles" - der in Kaiserslautern lebt. Das Skelett eines Fuchskopfes an seinem selbst gebauten Dudelsack zeichnet ihn als (...) aus ganz fernen Landen aus. In Lautern ist ein Fest - wann wir dort ankommen, ist unbedeutend. Hauptsache wir schaffen´s überhaupt: Nach diesem Motto lief das vor einem halben Jahrtausend und läuft es auch beim Altstadtfest. Schwertkämpfe, Gaukelspiele, Tanz und Musik - nichts ist angekündigt. Es entsteht einfach. "Aus dem Bauch heraus" würden wir heute dazu sagen. In der Gasse ist auch sonst einiges los. Vom Arbeits- und Verkaufsverbot am Sonntag haben Münzsäger Roland Fohs und auch sein Konkurrent, der Silberschmied, bestimmt noch nie gehört. Das Hämmern und Sägen der beiden Kunsthandwerker lockt Neugierige an ihre Stände. Besonders die Damen werfen mehr als nur einen neugierigen Blick auf die Geschmeide. Aber leider - ein spendabler Rittersmann, der für die Dame seines Herzens ein paar hundert "Silberlinge" locker machen würde, ist nirgendwo in Sicht. So bleibt´s bei ehrfürchtigem Staunen für des Handwerkers Fingerfertigkeit.
Auf derselben Seite: Bier contra MetViel Mühe hatte sich der Verein "Legende" an der Kirchenmauer von St. Martin gegeben, um ein idealisiertes und märchenhaftes Bild des Mittelalters entstehen zu lassen. Härene Gewänder, Bundschuhe und Lederwamse tragend bot man Fladengebäck, Kräuter und Essenzen oder Met in irdenen Bechern an. Zauberer und Silberschmiede traten auf, Fackeln und Öllampen tauchten die theatralische Szenerie in einen unsteten, flackernden Schein... (afk)
Ebenfalls auf derselben Seite: Kein Verständnis"Papa, warum müssen die so warme Sachen anziehen als Ritter", will ein Dreikäsehoch von seinem Vater wissen. Gespannt hat der Kleine verfolgt, wie ein Mitglied des Mittelaltervereins "Legende" - ohnehin schon schweißgebadet - in ein wollenes Wams und dann auch noch in eine Rüstung gezwängt hat. Der Vater zuckt seinerseits bloß verständnislos die Schultern. Ein Mitbeobachter mischt sich ein, erläutert dem Kind die Wirkung von Schwert und Rüstung. Aber da ist er an den falschen, das heißt an den falschen Vater geraten: "Die waren doch blöd", kontert der: "Wenn ich mich ohne diese schwere Rüstung auf ein Pferd gesetzt hätte, hätte ich die alle nacheinander abgezogen." Dem Mitspieler gehen die Argumente aus. "Kein Verständnis fürs Mittelalter", brummt er bloß noch in seinen Bart. (krh) !--msnavigation--> |
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