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Kaiserslautern - Porträt einer BarbarossastadtVom Königshof zur kaiserslichen Pfalzvon Karl Scheerer Durch eine in west-östlicher Richtung ziehende Niederung führt eine aus dem Pariser Becken kommende uralte Völkerstraße, die über Metz - Saarbrücken - Kaiserslautern verläuft und in römischer Zeit in Mainz, nach der fränkischen Landnahme in Worms endete. Entlang dieses Altstraßenzuges hat Ernst Christmann eine größere Anzahl von Königshöfen nachgewiesen, die zunächst den fränkischen, später den deutschen Königen als Sicherungs-, Versorgungs- und Relaisstation gedient haben. Auch in Kaiserslauterns heutiger Innenstadt - auf einem Felskern mit dem bezeichnenden Namen "Altenhof" - konnte eine solche königliche Domäne erschlossen werden. Als die villa Luthara im Lorscher Reichsurbar aus dem frühen 9. Jahrhundert relativ spät erstmals erwähnt wird, gilt sie heute gleichwohl unbestritten als die Keimzelle einer einer fränkischen Siedlung des 7./8. Jahrhunderts. Diese wiederum ist ebenfalls erst 882 anläßlich der Vergabung das Novalzehnten aus Lautern an die königliche Salvatorkapelle zu Frankfurt durch Kaiser Karl den Dicken urkundlich faßbar. Ihre weitere Entwicklung läßt sich wegen der äußerst lückenhaften schriftlichen Überlieferung nur schwer übersehen. Immerhin können wir einer Schenkungsurkunde Kaiser Ottos III. aus dem Jahr 985, in der er seinem Vetter, dem Salier Otto von Worms, mit dem Wasgauforst auch den Königshof Lautern übertragen hat, entnehmen, daß letzterem bereits damals mit Markt, Zoll und Bann Attribute einer größeren Siedlung zugeordnet waren. Spätere Urkunden aus salischer Zeit lassen dann auf umfangreiches Königsgut in und um Lautern schließen. Doch dessen politischen und wirtschaftlichen Stellenwert im Gefüge des deutschen "Königsstaates" erhellt erst das königliche Tafelgüterverzeichnis aus staufischer Zeit, das den Königshof Lautern mit acht Dienstleistungen (Servitien) unter die steuer- bzw. wirtschaftskräftigsten Besitzungen der Krone einreiht und beispielsweise der Kaiserpfalz Aachen gleichstellt. Diese Einstufung macht nicht zuletzt auch Friedrich Barbarossas Engagement verständlich. Zwar hatte gewiß auch hier das Krongut in den Schwächeperioden des Königtums herbe Verluste erlitten - 1085 und 1103 scheint sogar die Siedlung Lutra selbst an das Bistum Speyer übergegangen zu sein - aber das noch verfügbare Gut war groß genug, um dem Staufer einen willkommenen Ansatz zum Aufbau eines sogenannten "Reichslandes", einer "terra imperii" zu bieten. Die Errichtung der Kaiserpfalz nordwestlich vom "Altenhof" auf einem von diesem durch die Lauter geschiedenen Felsplateau, die unmittelbar nach Barbarossas Regierungsantritt begonnen wurde, ist primär unter diesem Aspekt zu sehen. Träger dieser kaiserlichen Politik einer Herrschaftsintensivierung wurden Reichsministerialen aus dem Alzeyer Raum wie Eberhard "von Lautern" und die wahrscheinlich mit ihm verschwägerten Brüder Heinrich und Reinhard, deren Familie sich später nach der Reichsburg Hohenecken nannte. Schon vor 1158 war der Bau der "Barbarossaburg" vollendet, von dem der zeitgenössische Geschichtsschreiber Rahewin zu berichten wußte: "Bei Lautern errichtete er (Friedrich I.) mit viel Aufwand eine Pfalz aus rotem Sandstein. Auf der einen Seite begrenzte er sie mit einer Mauer, während sich auf der anderen ein Fischweiher wie ein See herumzog, dessen Reichtum an Fischen und Wasservögeln für Augen und Gaumen ein Genuß war. Auch besitzt die Pfalz unmittelbar anstoßend einen Tiergarten mit allerlei Hirschen und Rehen. Die königliche Pracht dieser Dinge entzückt jeden Besucher" (Gesta Friderici IV, 86). Heute künden praktisch nur noch die wieder freigegebenen Fundamente des Palas und der anschließenden Kapelle sowie eine gelöschte Mauer aus Buckelquadern von Barbarossas domus regalis in Lautern, so daß wir das Urteil des Engländers Thomas von Wykes: "In den verschiedenen Reichen hält kein Palast mit dem kaiserslichen von Lautern einen Vergleich aus" im Grunde weder bestätigen noch bestreiten können. Unbestreitbar dagegen bleibt, daß der Staufer durch diesen Bau sowie die annähernd gleichzeitig mit dessen Beginn verfügte Gründung des Prämonstratenserstiftes und die wenig später erfolgte Errichtung des Marienhospitals die Weiterentwicklung der Siedlung Lautern zu einem städtischen Gemeinwesen eingeleitet und maßgeblich gefördert hat. |
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