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Von der
Kunst, ein vergessenes Handwerk zu erlernen
 ücher können Leben verändern. Diese Aussage ist wohl
unbestritten. Das es jedoch soweit kommen kann, daß das bloße Betrachten von Büchern
und nicht das Lesen einschneidende Veränderungen mitsichbringen kann, ist wohl eher
selten. So geschah es aber bei Oskar Palm, der nach einem Besuch der Ausstellung
"Bibliotheka Palatina" so von den Ausstellungsstücken fasziniert, daß er sich
fest vorgenommen hatte, selbst Bücher zu schreiben. Und zwar nicht irgendwelche Bücher,
sondern er wollte mittelalterliche Bücher schreiben. Unter Verwendung der richtigen
Tinte, einer Feder und auf zeitgetreuem Pergament.
Leider findet man heutzutage nicht in jedem Schreibwarenladen eine Abteilung mit
mittelalterlichem Schreibzubehör. Deshalb war vor dem Schreiben von Büchern erst einmal
das Studium derselben Pflicht. Wärend eines hochinteressanten Vortrags, der vom Verein
"DIE LEGENDE" organisiert wurde, konnte Herr Oskar Palm einiges über
dieses Thema vortragen.
n einer Handschrift des Mönchs Theophilus wurde
Oskar Palm dann fündig. Der Klosterbruder beschrieb in seinem Buch das Verfahren zur
Herstellung einer wasserfesten und lichtechten Tinte, der so genannten Dornentinte. Die Tinte mit der die meisten Bücher des
Mittelalters geschrieben wurden. Aus der Rinde von Schwarzdorn, Weißdorn oder Kirsche
wird in einem zeitaufwendigen Verfahren diese Tinte gewonnen, wobei das Produkt immer
wieder mit Wein aufgekocht und trocknen gelassen wird, bis schließlich nach einem halben
Jahr endlich Dornentinte in fester Form vorlag. Doch wie schreibt man mit dieser Tinte,
damit die Schrift auch in die Zeit paßt? Handgeschriebens Süttalin sieht mit Sicherheit
gut aus, ist aber erst viel
später entstanden. Also belegte Herr Palm mehrere Kurse bei Professor Eikel in Aachen,
bis er soweit war, mit der Dornentinte schreiben zu können.
Dabei wird immer ein kleines Stück der festen Tinte in Wein aufgelöst, so daß sie
verarbeitet werden kann. Beim Gebrauch der Tinte stellte sich heraus, daß der Mönch
Theophilus doch nicht alle Geheimnisse der Dornentinte überliefert hatte. Aufwendige
Versuche waren notwendig, bis schließlich das Abkühlen glühender Eisenstücke in der
Tinte die gewünschten chemischen Reaktionen hervorrief, um die Tinte endgültig
gebrauchsfertig zu machen.
ls erstes entstand eine Kopie der Urkunde, mit der
im Jahre 1276 die Stadtrechte an die Stadt Kaiserslautern, damals noch Lutra
ganannt, verliehen wurden.
Wie auch die Schreiber in Altertum und Mittealalter, so schreibt Herr Palm heute noch
seine Bücher auf Pergament, der gegerbten und geschabten Haut einer Ziege oder eines
jungen Kalbes. Pergament wird heute noch genauso hergestellt wie vor über 2000 Jahren.
Dieser Werkstoff ist äußerst robust und strapazierfähig, aber auch sehr teuer, da er in
Handarbeit hergestellt wird. Wegen der vorhandenen Fettschicht auf der Haut muß diese vor
dem ersten Gebrauch mit einem Radiergummi oder, wie es viel stilechter ist, mit
Schachtelhalmen abgerieben werden, damit Tinte und Farben besser in das Pergament
eindringen können.
er nächste Schritt nach orginalgetreuer Tinte,
Schrift und Materialien, war dann auch die Vergoldungstechnik zu übernehmen. Diese
Technik, auch Gesso-Vergoldung genannt, existiert seid über 1000 Jahren. Sie beruht auf
der Verwendung eines italienischen Gipses, von dem sie auch ihren Namen erhalten hat.
Dieser Gips wird mit anderen Zutaten zu einer dickflüssigen Masse angerührt und ein-
oder mehrschichtig auf die zu vergoldenden Flächen mit Feder oder Pinsel aufgetragen.
Nach dem vollständigen Trocknen wird die Oberfläche des Gesso durch kräftiges Anhauchen
angefeuchtet, das Blattgold aufgelegt und mittels eines Achates poliert.
Blattgold wird in den Hochburgen Schwabach, Fürth und Nürnberg hergestellt, wobei es auf
eine Dicke von 1/10.000 mm gewalzt und gehämmert wird.
ei seinen Büchern wählte Herr Palm Schriften,
deren Originale verlorengegangen sind.
Das erste Buch beinhaltet die "Goldene Bulle" in der Übersetzung von 1365. Bei
der goldenen Bulle handelt es sich um das in Latein geschriebene Gesetz Karls IV.
(1346-1376), in dem festgelegt wird, wie deutsche Könige zu wählen sind. Das Original
dieses Gesetzes wurde im 2. Weltkrieg bei einem Luftangriff auf Frankfurt zerstört.
Das Buch besteht aus 31 Kapitel und zwei Einleitungen. Jedes Kapitel beginnt mit Initialen in
Unzialis aus 22 Karat Blattgold. Das in Schweinsleder gebundene Buch ist auf dem vorderen
Buchdeckel mit den vergoldeten Königs- und Kaisersiegeln Karls IV. geschmückt.
ach diesem ehr trockenen Gesetzestext beinhaltet
das zweite von Oskar Palm geschriebene Buch das Annolied, ein Buch über den Bischof Anno
II. von Köln, der in salischer Zeit durch die Entführung und Erziehung Kaiser Heinrich
IV. von sich reden machte.
Das Original entstand etwa 1075 und wurde von einem unbekannten Mönch aus Siegburg
verfaßt. Es ist das erste biographische Werk in frühmittelhochdeutscher Sprache.
Das Lied umfaßt 49 Strophen. Jede diese Strophen beginnt mit einer durch Herrn Palm
selbst entworfenen Initialen. Keine dieser Initialen gleicht der anderen.
Das Original des Annoliedes wird seit 1639 vermißt, dem Jahr in dem der Dichter Martin
Opitz das Werk in Druck gab.
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